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Stadtteilgruppe Neustadt

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Programm 1999

Unser Stadtteil hat viele unterschiedliche BewohnerInnen und NutzerInnen. Genauso vielfältig sind deren Interessen, Bedürfnisse und Wünsche. Zwischen Huckelriede und Neustädter Bahnhof, zwischen Ochtum und Weser finden wir die gesamte Vielfalt eines attraktiven, lebendigen Stadtteils. Die Neustadt erfüllt zudem wichtige Funktionen für ganz Bremen - als wachsender und erfolgreicher Standort für Industrie und Gewerbe, als Verkehrsdrehscheibe für alle Arten von Mobilität und Transport, als Modellstadtteil für die Lokale Agenda 21. Städtische Vielfalt erzeugt aber auch Probleme und Konflikte, die von der Landespolitik allzu oft übersehen werden. Dafür Lösungen zu entwickeln und zu ihrer Verwirklichung beizutragen, ist die Herausforderung für die kommenden Jahre.

Die Grünen in der Neustadt nehmen diese Herausforderung an


Arbeit und Wirtschaft in einem modernen Stadtteil

Förderung von wohnortnahem Gewerbe

Die Neustadt gehört zu den attraktiven und erfolgreichen Wirtschaftsstandorten in Bremen und ist gleichzeitig einer der am dichtesten besiedelten Stadtteile. Bündnis 90/ Die GRÜ- NEN werden darauf hinwirken, daß sich wirtschaftliche Entwicklung, Erhalt und Schaffung von Arbeitsplätzen im Einklang mit der Wohn- und Lebensqualität in unserem Stadtteil vollziehen. Beispiele wie das gemeinsame Bauzentrum vieler Bauhandwerks- und -dienstleistungsbetriebe, der Lieferservice des Neustädter Einzelhandels oder Existenzgründungsinitiativen zeigen die Richtung, in der bestehende Strukturen modernisiert und Arbeitsplätze im Stadtteil erhalten und geschaffen werden können. Wirtschaftliche Initiativen erfordern aber auch ein geeignetes Umfeld. Die Umgestaltung der Pappelstraße ist seit Jahren auf die lange Bank geschoben worden und muß endlich umgesetzt werden. Die GRÜNEN werden sich für ein damit abgestimmtes Verkehrs- und Parkraumkonzept einsetzen, ohne das die Umsetzung Stückwerk bleibt. Neben diesen Maßnahmen für ein attraktives Zentrum müssen die Randbereiche der Neustadt - Huckelriede, Hohentor, Neuenland - besonders beachtet und gefördert werden. Wichtige Einrichtungen mit überlokaler Bedeutung in diesen Ortsteilen zu schließen, ist mit Sicherheit der falsche Weg. Das Schulzentrum Huckelriede ist deshalb unbedingt zu erhalten. Ausbau, Modernisierung und Sanierung vorhandener Einrichtungen und Infrastrukturen müssen in den kommenden Jahren zur Stärkung der Neustadt beitragen:

Bremer (H)Ausbau in der Neustadt

Das Gesicht vieler Neustädter Straßen ist geprägt durch die typische Form des Bremer Hauses. Es verkörpert städtisch verdichtetes Wohnen, lastet die vorhandene Infrastruktur gut aus. Gleichzeitig gibt es aber einen enormen Bedarf an baulichen, stilistischen und ökologischen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen mit einem großen Beschäftigungsvolumen für das örtliche Handwerk. Deshalb werden wir uns im Beirat dafür einsetzen, daß die in Bremen gestartete Initiative zum Erhalt des Bremer Hauses in der Neustadt unterstützt und verbreitet wird.

Wiederbelebung des Neustädter Bahnhofs

Der Neustädter Bahnhof und die umliegenden Flächen sind ein Stiefkind der bremischen Politik. Als moderner Verkehrs- und Umsteigeknoten könnte er dazu beitragen, Pendlern aus dem Umland eine attraktive Alternative zum PKW zu bieten und die Nahverkehrserschließung des Bremer Südens zu verbessern. Zudem wird er die künftigen Freizeit- und Wohnanlagen im Hohentorshafen und die reaktivierten Gewerbeflächen am Neustädter Bahnhof an das städtische Verkehrsnetz anbinden. Die vorhandenen Nutzungen der Bahnhofsgebäude zeigen, daß sie sich bestens für die Entwicklung eines Kulturund Erlebnisbahnhofes eignen.

Für den Ausbau der Hochschule Bremen in der Neustadt

Die Hochschule Bremen ist ein zentrales Potential für innerstädtische Dienstleistungs- und Gewerbeentwicklung im Bremer Süden. Wir unterstützen nachdrücklich den Ausbau von Forschungspotentialen, internationalen Studiengängen und Technologietransfer. Diese Bemühungen müssen durch angemessene Flächenangebote für die notwendige räumliche Erweiterung abgesichert werden. Dafür ist die enge Zusammenarbeit von Landespolitik mit der Hochschule und der Stadtteilpolitik erforderlich. Wir werden uns dafür einsetzen, daß die Hochschule Bremen vorrangig in der Neustadt ausgebaut wird.


Lebensqualität und gute Nachbarschaft

Menschengerechte Verkehrsgestaltung

Wie kaum ein Stadtteil Bremens ist die Neustadt von Verkehrslärm, Schadstoffbelastungen und Unfallgefahren betroffen. All dies ist den BewohnerInnen nicht länger zuzumuten. Bündnis 90/DIE GRÜNEN setzen sich dafür ein, daß Verkehrsbelastungen dauerhaft reduziert werden und Straßen und Plätze wieder als Aufenthaltsraum und Spielflächen genutzt werden können. Wir werden deshalb weiterhin für eine bessere Lenkung der motorisierten Verkehre durch die Neustadt, für die Verlängerung der Straßenbahnlinien 1, 5 und 8 in das Bremer Umland, für den Rückbau der Hauptverkehrsstrassen (z.B. Neuenlander Straße und Langemarckstraße), für die flächendeckende Einführung von Tempo 30, für das Anwohnerparken und die Schaffung eines durchgehenden Radwegenetzes eintreten.

Kinder und Jugendliche brauchen Raum

Vor allem für Kinder und Jugendliche verfügt die Neustadt über zuwenig Spielflächen und Freizeitangebote. Dank der engagierten Mitarbeit vieler Eltern und BürgerInnen werden die Neustadtswallanlagen zu einem guten Spiel- und Aufenthaltsraum umgestaltet. Im Buntentor, in Huckelriede und im Hohentor fehlen ähnliche Möglickeiten; Spielplätze wurden hier plattgemacht und Freiflächen versiegelt. Für Jugendliche gibt es in der Neustadt kaum zeitgemäße und attraktive Angebote. Ein Ausbau von Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche ist daher dringend erforderlich. Wie bei der Umgestaltung der Neustadtswallanlagen werden die GRÜNEN dabei für die intensive Beteiligung von NutzerInnen und AnwohnerInnen sorgen.

Bildung ist Zukunft

Schulen sollen SchülerInnen auf das Leben in der Gesellschaft von morgen vorbereiten. Sie müssen sich deshalb stärker den gesellschaftlichen Anforderungen und ihrem sozialen Umfeld öffnen. Dazu gehört auch eine nachhaltige Verbesserung der Ausstattung und der räumlichen Situation in den Neustädter Schulen. Verrottete Gebäude, museumsreife Lehrmittel und überalterte Lehrerkollegien verhindern, daß die Schulen ihrem Auftrag gerecht werden können. Der Beirat muß sich stärker als bisher für die Schulen in der Neustadt einsetzen. Bündnis 90/DIE GRÜNEN fordern, die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten an den Schulgebäuden umgehend vorzunehmen und dabei ökologische Standards einzuhalten. Wir werden dafür eintreten, daß die „volle Halbtagsschule“ mit einem Betreuungsangebot von 8.00 bis 13.00 Uhr in allen Grundschulen zur Regel wird. Elterninitiativen für die Gestaltung der Schulen und Schulhöfe werden von uns unterstützt. Schulen wie Kindergärten müssen Orte der Integration im Stadtteil sein. Dazu gehört eine bessere Förderung von Kindern, die nicht Deutsch als Muttersprache haben. In der Kinder- und Jugendarbeit müssen verstärkt qualifizierte MitarbeiterInnen verschiedener Kulturkreise eingesetzt werden.

Demokratie und Integration gehören zusammen

Am Umgang mit Minderheiten zeigt sich der demokratische Gehalt einer Gesellschaft. Bündnis 90/DIE GRÜNEN setzen sich in der Neustadt wie überall gegen die Ausgrenzung von MigrantInnen und Flüchtlingen ein. Mit Initiativen im Beiratsausschuß für interkulturelle Verständigung haben wir dazu beigetragen, die Nachbarschaft zwischen Einheimischen und Einwanderern in unserem Stadtteil zu verbessern. Diese Arbeit wollen wir in den nächsten Jahren fortsetzen.

Kultur prägt den Stadtteil

Vielfältige kulturelle Aktivitäten gehören zur Lebensqualität eines Stadtteils. Für den Erhalt zeitgemäßer Einrichtungen werden wir ebenso kämpfen wie für die Förderung neuer Projekte. Ganz entschieden werden wir uns für den Erhalt der Stadtteilbibliothek in der Neustadt einsetzen. Der Teerhof muß endlich durch kulturelles Leben aufgewertet werden. Noch immer fehlt das längst beschlossene „Kulturdrittel“. Wir begrüßen die anspruchsvolle Initiative der Bremer shakespeare company, der Deutschen Kammerphilharmonie, und des Deutschen Tanzfilminstituts für ein kombiniertes Kultur-, Veranstaltungs- und Hotelzentrum auf dem Teerhof und werden ihre Umsetzung unterstützen.

Grün- und Freiflächen sind ein wertvolles Gut

Gerade in einem dicht bebauten Stadtteil wie der Neustadtkann der Wert von Grün- und Freiflächen für die wohnortnahe Erholung nicht hoch genug bemessen werden. Der Werdersee, die Neustadtswallanlagen, der Stadtwerder und das Weserufer sind wichtige Teile des Grün- und Freiraumsystems, die nicht für beliebige andere Zwecke verfügbar sein dürfen. Wir wenden uns daher entschieden gegen die Wohnbebauung des Wassergewinnungsareals auf der Werderinsel. Bestehende Freiflächen und Sportanlagen sind zu erhalten, an vielen Stellen lassen sich Straßenräume begrünen und freie Plätze entsiegeln. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN werden dafür eintreten, die Grün- und Freiflächen in der Neustadt zu durchgehenden Grünzügen an den Stadtrand und in das Bremer Umland zu verbinden.


Zwei Initiativen für die kommende Beiratsperiode

Partnerschaft mit einer Umlandgemeinde im Bremer Süden

Für Bremen insgesamt, aber auch für die Neustadt wird das Verhältnis zu unseren Nachbarn im Umland immer wichtiger. Menschen aus dem Umland pendeln in die Neustadt, um hier zu arbeiten - oder um zu parken; Kultur- und Freizeiteinrichtungen werden selbstverständlich auch von Nicht-BremerInnen in Anspruch genommen. Viele NeustädterInnen nutzen die Naherholungsmöglichkeiten außerhalb der Stadt; viele entschließen sich sogar, ganz ins Umland zu ziehen. Gründe genug, ein gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn zu suchen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Wir werden uns deshalb für eine Beiratsinitiative engagieren, mit der eine Partnerschaft zwischen der Neustadt und einer Umlandgemeinde im Bremer Süden aufgebaut werden soll.

Die Neustadt braucht ein modernes Bürgeramt

Das Neustädter Ortsamt leidet unter Personalmangel und arbeitet mit unzulänglicher Ausstattung. Die NeustädterInnen haben ein Recht auf bessere Informationen, schnellere und umfassendere Bearbeitung von Bürgeranliegen in „ihrem“ Ortsamt. Deshalb werden die GRÜNEN in den kommenden Jahren für die Umgestaltung des Ortsamtes zu einem modernen Bürgeramt mit ausreichender Personal- und Technikausstattung eintreten.


Und im übrigen: Wir sind immer noch gegen die A 281 !

Wir befinden uns im Jahr 1999. Ganz Bremen hat sich mit dem Bau der A 281 abgefunden. Ganz Bremen ? Nein ! Engagierte BürgerInnen und Die Grünen hören nicht auf, Widerstand zu leisten.

Die Stadtautobahn A 281 ist leider immer noch ein Thema für die Neustadt. Verkehrspolitisch sinnlos, städtebaulich und ökologisch schädlich, wird ihr Bau allein über 100 Mio. DM an bremischen Landesmitteln verschlingen. Diese Mittel würden dringend für eine sinnvolle Verkehrsgestaltung und für wirksame Maßnahmen zur Verringerung der unzumutbaren Belastungen durch Pendlerverkehre, Lieferverkehre und überregionale Güterverkehre gebraucht.


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