Barrierefreie Neustadt
Am 18.04.2007 fand die von Mitgliedern des Beirats Neustadt, dem Architekten Christoph Theiling und Vertretern von Behindertenverbänden initiierte Ortsteilbegehung zum Thema „Barrierefreiheit“ in der Neustadt statt. Der Weg führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu zahlreichen Orten, an denen Menschen mit Behinderungen auf Barrieren treffen. Besonders markante Beispiele waren der Lucie-Flechtmann-Platz, der Platz am Neuen Markt und die Kreuzung am Leibnitzplatz.
Hier waren erst in jüngster Vergangenheit umfangreiche Baumaßnahmen vorgenommen worden. Die Belange von Menschen mit Behinderungen wurden dabei jedoch kaum oder gar nicht berücksichtigt. So fehlte es beispielsweise an Leitsystemen für Sehbehinderte, damit sich diese auf den Plätzen zurechtfinden können. Für RollstuhlfahrerInnen waren die Flächen nur von einer Seite zugänglich und damit nur schlecht zu überqueren. Auch fehlen Geländer an den Treppen am Lucie-Flechtmann-Platz.
Für Alexander Jung, Vertreter der Linkspartei im Beirat Neustadt, ist dies völlig unverständlich: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum bei Baumaßnahmen noch immer nicht auf die Barrierefreiheit geachtet wird. So werden Menschen mit Behinderungen daran gehindert, sich im Öffentlichen Raum frei zu bewegen. Diese Ausgrenzung können wir nicht hinnehmen.“ Dr. Maike Schaefer, für Bündnis 90/ Die Grünen im Neustädter Stadtteilparlament, sieht dringenden Regelungsbedarf: „Wir brauchen endlich verbindliche Standards für Neu- und Umbauprojekte. Die Barrierefreiheit für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen muss bei allen Öffentlichen Bauvorhaben gewährleistet sein. Deshalb müssen beispielsweise der Einsatz von Leitsystemen für Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen ebenso verpflichtend sein, wie die Zugänglichkeit für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Auch dürfen ästhetische Gesichtspunkte bei solchen Bauvorhaben nicht vor der Barrierefreiheit stehen, sondern müssen mit ihr in Einklang gebracht werden.“
Beide sind sich einig, dass die Stadtteilbeiräte, aber auch die Betroffenen und der Landesbehindertenbeauftragte schon im Planungsstadium stärker beteiligt werden müssen. Auf diese Weise können Fehlentwicklungen, wie sie bei der Ortsteilbegehung sichtbar wurden, in Zukunft rechtzeitig vermieden werden.
Schilder mitten im Gehweg
Barrieren für Behinderte will der Beirat Neustadt mit einem Stadtspaziergang erkennen
taz Nord vom 18.4.2007, S. 24, 66 Z. (Interview), eib
taz: Herr Theiling, Sie haben ein Gutachten erstellt zu Barrierefreiheit in Bremen. Welches sind die größten Hindernisse?
Christoph Theiling, Freiraumplaner: Das fängt für Rollstuhlfahrer direkt vor der eigenen Haustür an, wenn es an Einmündungen und Kreuzungen keine abgesenkten Bordsteine gibt. Für Blinde und Sehbehinderte sind Schilder mitten im Gehweg ein großes Problem. Oder Haltestellen: Direkt davor gibt es ein Blindenleitsystem, aber fünf Meter weiter, wo die Verantwortlichkeit der BSAG endet und die des Amts für Straßen und Verkehr beginnt, hört es auch schon wieder auf.
Was fehlt an diesen Stellen?
Zum Beispiel ein Auffangstreifen, der quer über Rad- und Fußweg verläuft und mit einem kontrastreichen Belag signalisiert, dass hier eine Straßenbahn oder ein Bus hält. So etwas gibt es in Bremen nur ein einziges Mal, in der Langemarckstraße.
Besonders heftig wurde der Umbau des Leibnizplatzes kritisiert. Was ist das Problem?
Man hätte bei der Sanierung solche Auffangstreifen berücksichtigen und ein weniger grobes Pflaster für die Übergänge wählen können. Rad- und Gehweg sind für Blinde nicht erkennbar voneinander getrennt, die Ampelsignale sind nicht abgestimmt, so dass nicht hörbar ist, an welcher Ampel gerade „grün“ ist.
Wie erkennen Sie als Nicht-Behinderter die Probleme?
Dafür muss man Begehungen mit Betroffenen machen. Dabei habe ich gelernt, dass die Signale an den Ampeln manchmal in drei Meter Höhe angebracht sind. Die Entfernung einer Ampel lässt sich so viel schwerer erkennen.






